Mittwoch, 10. Mai 2017

Chlorierte Schwimmbäder machen unser Immunsystem schlapp

Wer in chloriertem Wasser schwimmt, tut seinem Immunsystem offensichtlich keinen Gefallen, denn die meisten immunrelevanten Parameter im Blut sinken um etwa zehn Prozent ab. Das könnte erklären, warum besonders empfindliche Menschen mit Atemproblemen bis hin zum Asthma zu kämpfen haben.

Wissenschaftler wissen schon lange: Die Desinfektionsmittel und deren Nebenprodukte machen das Schwimmen in chloriertem Wasser für empfindliche Menschen zum gesundheitlichen Risiko – mit allergischen und respiratorischen Auswirkungen, einschließlich Asthma.


Die biologischen Mechanismen, die dies bewirken könnten, sind nach wie vor weitgehend unbekannt. Forscher aus ganz Europa, inklusive Forschern aus Tübingen, haben zur Beantwortung dieser offenen Frage jetzt das Immunsystem aufs Korn genommen.

Dazu untersuchten sie die Niveaus folgender Immunmarker im Serum: CCL11, CCL22, CXCL10, CRP, EGF, GCSF, IL-8, IL-17, IL-1RA, MPO, VEGF, Periostin.

30 Frauen und 29 Männern stellten sich dafür zur Verfügung. Die Blutentnahme erfolgte vor und nach einem 40minütigen Schwimmen in einem chlorierten Pool.

Gleichzeitig erfassten die Forscher die Aufnahme von Desinfektionsmittelnebenprodukten durch Messung von Bromdichlormethan, Bromoform, Chloroform und Dibromchlormethan im Atem der Schwimmer vor und nach dem Test. Mit Fragebögen wurden weitere relevante Informationen erhoben, einschließlich der körperlichen Aktivitäten der Probanden.

Die Forscher beobachteten eine signifikante Abnahme der Serumkonzentrationen von IL-8 (- 12,53%), CCL22, CCL11 (- 7,15%), CRP (- 7,06%) und CXCL10 (- 13,03%) und gleichzeitig eine deutliche Zunahme von IL-1RA (20,16%).

Die Studie zeigte, dass das Schwimmen in einem chlorierten Pool Störungen der Immunantwort durch akute Veränderungen der Zytokin- und Chemokin-Sekretion induziert. Die beobachteten Effekte konnten allerdings nicht eindeutig entweder der Exposition gegenüber DBPs oder der körperlichen Aktivität zugerechnet werden. Entsprechende Nachweise in der Literatur deuten aber darauf hin, dass die beobachtete Abnahme der Immunmarker wohl auf eine immunsuppressive Wirkung der Desinfektionsmittel, die Zunahme von IL-1RA aber auf körperliche Aktivität zurückzuführen sein könnte.

Hier geht es zur Originalveröffentlichung

 

(Anm: Dass es der internationalen Forscherschar nicht in den Sinn gekommen ist, die Probanden in einem Kontrollversuch in unchloriertes Wasser zu schicken, verwundert. Damit hätten die beobachteten Effekte eindeutig den Desinfektionsmitteln oder den körperlichen Aktivitäten zugeordnet werden können.)

Foto: Stefan Bayer / pixelio.de

 

 

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