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Mittwoch, 28. Februar 2018

Luftbelastung mit NOx: Nur noch der smarte Umgang mit Big Data wird helfen können

Das digitale Zeitalter hat neue Möglichkeiten für eine datengetriebene Forschung eröffnet. So ist etwa die gerade sehr aktuelle Überwachung der Luftverschmutzung und der Belastung unserer Innenstädte mit NOx mit dem Aufkommen gewaltiger Datenmengen verbunden, zu deren Bewältigung statistische Auswertungsmethoden herangezogen werden müssen. Eine aktuelle Studie von Forschern aus Deutschland (Münster) und Spanien diskutiert diese Big-Data-Herausforderungen im Umweltmonitoring und reflektiert den Einsatz statistischer Methoden zur Bewältigung dieser Herausforderungen zur Verbesserung der Lebensqualität in Städten. Dabei favorisieren sie die Kombination der beiden Auswertungs- und Erfassungsverfahren "Land Use Regression (LUR)" und "Spatial Simulated Annealing (SSA)".

Mittwoch, 20. September 2017

Unsere Arbeitsbelastung verändert nicht unser Umweltverhalten

Das starke Eingebundensein in die Belastungen des Arbeitsalltags beeinflussen offensichtlich nicht – wie bisher von der Wissenschaft vermutet – das Verhältnis unserer durch Selbstwahrnehmung geformten Einstellung zur Umwelt zu unserem daraus resultierenden umweltbewussten Verhalten.

Freitag, 14. April 2017

Industrielle Gewinnung von Ballaststoffen und Mineralien aus Orangenabfällen

Die Produktion von Orangensaft auf industrieller Ebene führt zu einer beträchtlichen Menge an festen und flüssigen Rückständen, nämlich rund 8 bis 20 Millionen Tonnen pro Jahr weltweit, die entweder als Abfall entsorgt werden müssen oder in der Landwirtschaft "untergezackert" werden. Dass es klüger wäre, die Mineralien, Mikronährstoffe und Ballaststoffe aus diesen Abfällen der Ernährung des Menschen zugänglich zu machen, zeigen jetzt zwei aktuelle Studien auf.

Im Allgemeinen haben Orangenreste keinen ökonomischen Wert, obwohl ihre Zusammensetzung reich an löslichen Zuckern, Cellulose, Hemicellulose, Pektinen und ätherischen Ölen ist, die die Grundlage mehrerer industrieller Prozesse bilden könnten. In einer früheren Studie wurden Informationen über das technologische Potential der festen und flüssigen Rückstände gesammelt, die bei der Verarbeitung von Orangensaft erzeugt wurden. Als mögliche Anwendungen wurde der menschliche Verzehr, Dünger, Tierfutter, Holzkohle, Adsorption von chemischen Verbindungen, Bio-Öl-Produktion und Extraktion von ätherischen Ölen und Pektinen vorgeschlagen.

Ziel einer aktuellen Studie aus Deutschland und Brasilien war es jetzt, die Biozugänglichkeit von Ca, Fe und Mg in diesen Resten von Orangen, Zitronen und deren Mischungen abzuschätzen, die beim Kochen mit Wasser aus den industriellen Rückständen gelöst wurden.

Die gemessenen Proben enthielten durchschnittlich

  • 9,53 g / 100 g Feuchtigkeit
  • 6,09 g / 100 g Proteine
  • 3,23 g / 100 g Asche (hier befinden sich die Salze der Mineralien)
  • 3,15 g / 100 g Lipide
  • 34,26 g / 100 g unlösliche Faser
  • 27,88 g / 100 g lösliche Faser
  • 25,64 g / 100 g Kohlenhydrate
Der Prozentsatz an löslichen einerseits und dialysierbaren Mineralien andererseits reichte von 19,36 bis 77,33 %. Es wurde bestätigt, dass das Kochen die Mineralstoff-Biozugänglichkeit beeinflusst und die dialysierbare Fraktion von Fe, Mg und Ca-Dialysat aus Orangenschalen erhöht.

Diese Studie bewies damit das hohe Potenzial von Zitrusresten für den menschlichen Verzehr. Dieser "industrielle Abfall" könnte demnach zu der notwendigen Versorgung der Menschen mit Mineralien- und Makronährstoffen sowie mit löslichen und unlöslichen Fasern (Ballaststoffen) beitragen.

Bei gleichzeitiger Entlastung der Umwelt!

Hier geht es zur Originalveröffentlichung

 

Foto: Maren Beßler / pixelio.de

Wer es genau wissen will, wie die Industrie Obstsäfte herstellt:

 

Montag, 13. März 2017

Reisen bildet – zunehmend Umweltprobleme aus

Wer durch die Winterlandschaften alpiner Skigebiete wedelt, hinterlässt dort nicht nur zwei Spuren im Schnee. Er lässt auch alles zurück, dessen sich sein Körper dort im Laufe seines Aufenthaltes entledigt hat. Mit dem Ergebnis, dass trotz Kläranlagen die alpinen Flüsse sich anreichern mit Schmerzmitteln, Bluthochdruckmitteln, Antibiotika, aber auch mit seinen Körperpflegemitteln.

Donnerstag, 5. Januar 2017

Klimawandel!? - ein Fall von Lügenpresse light

Auch in Sachen Klima neigen Journalisten inzwischen zu einer interpretierenden Berichterstattung – weg von den reinen Fakten oder zumindest über die reinen Fakten hinaus. Und Forscher der Medienwissenschaft haben jetzt einen noch problematischeren Sachverhalt erkannt: Die individuellen Einstellungen der Journalisten zum Klimawandel spiegeln sich in ihren Artikeln wider.

Freitag, 9. Dezember 2016

Ein kluger Beschnitt von Hecken versöhnt Hecken-Vögel mit Biomasse-Energie

Die vermehrte Nutzung von Biomasse aus Feldhecken verdrängt mehr und mehr Goldammer, Amsel und Grasmücke aus unserer Kulturlandschaft, vermindert aber den CO2-Ausstoß unserer Energieversorgung. Wie man beides haben kann, grüne Energie und bunte Vogelwelt, zeigt jetzt ein neues Grünschnitt-Management-Modell aus Gießen.

Mittwoch, 7. Dezember 2016

Pappeln im Tank - Biosprit der Zukunft

Die Preisentwicklung bei den Rohstoffen wird den Biosprit-Markt stark verändern: weg von essbaren Rohstoffen, wie Raps, Mais und Zuckerrüben, hin zu nicht-essbaren Rohstoffen der zweiten Generation, wie Pappelholz.

Montag, 5. Dezember 2016

Kommt nach der H-Milch jetzt die UHPH-Milch?

Ultrahocherhitzen oder ultrahohen Drücken aussetzen? Milch kann unterschiedlich haltbar gemacht werden. Das Ultrahochdruckverfahren erwies sich jetzt in einer aktuellen Studie als ein mehr als konkurrenzfähiges Verfahren. In Sachen Umweltentlastung hätte es die Nase vorn.

Mitbringsel in die Dritte Welt: Arzneimittel im Schiffsabwasser

Kreuzfahrtschiffe blasen nicht nur die schädlichen Abgase ihrer Schweröle in die Luft, aus "vollen Rohren" wird gleichzeitig ins Meer entlassen, was vorher jeden Passagier verlassen hat. Und diese Fäkalien - aber nicht nur diese - enthalten oft bedenkliche Chemikalien: Arzneimittelreste, UV-Filter-Substanzen - und jetzt immer häufiger auch Mikrokunststoffe. Eine aktuelle Bestandsaufnahme soll künftige Gegenmaßnahmen erleichtern.

Dienstag, 29. November 2016

Straßenschluchten erhöhen Windgeschwindigkeit und erzeugen Fallböen

Foto: Sascha Böhnke / pixelio.de
Wenn eine Böe auf die Straßenschluchten einer Stadt trifft, erhöht sich zwischen den Häusern die Geschwindigkeit dieses Luftstroms und sorgt gleichzeitig für Luftwirbel über den Dächern der Häuser, die zusätzlich die Windgeschwindigkeit über der Straße erhöht.

Montag, 28. November 2016

Biodiesel aus dem Meer - Algen machen es möglich

Foto: Huber / pixelio.de
In Zeiten der zunehmenden Nutzung nachwachsender Rohstoffe treten auch die Meeresalgen in den Fokus der Forschung. Die Biomasse dieser Algen ist ein viel versprechender Rohstoff für einen künftigen Biokraftstoff für Verbrennungsmotoren.

Freitag, 25. November 2016

Stiefmütterliche Behandlung der Invasions-Biologie

 
Bärenklau aus Osteuropa. Foto: Karl-Heinz Liebisch / pixelio.de
Weltweite Untersuchungen bestätigen nun, was die Wissenschaft seit Jahrzehnten behauptet hat: biologische Invasionen haben große Auswirkungen auf die einheimische Flora und Fauna und sind eine der Hauptursachen für den Verlust der biologischen Vielfalt weltweit.

 

Viele Unternehmen wären heute schon reif für Elektrofahrzeuge

Johannes Wiesinger / pixelio.de
In vielen Unternehmensbereichen könnten schon heute viel mehr Elektrofahrzeuge eingesetzt werden. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie aus Berlin und Wien.

Donnerstag, 24. November 2016

Die Tigermücke ist da und überwintert inzwischen in Südostdeutschland

Im Rahmen eines deutschen Moskito-Monitoring-Programms wurde der "Mückenatlas" (Moskito-Atlas) als Instrument der Bürgerbeteiligung an der Moskito-Kartierung eingeführt.

Dienstag, 22. November 2016

CO2-Speicherung birgt Risiken, die untersucht werden müssen

Kohlendioxid-Abscheidung und -Speicherung (CCS) wird als eine leistungsfähige Technologie betrachtet, um die Auswirkungen des Klimawandels zu verringern. Sie wird als notwendige Zwischenlösung betrachtet, bis andere nachhaltige Energietechnologien in einem breiteren Maßstab verwendet werden können.

Trotz der Tatsache, dass bereits wissenschaftlich fundierte geologische Risikoanalysen vorliegen, fehlt eine wesentliche toxikologische Risikobewertung einschließlich aller Komponenten des Prozesses. Das meinen zumindest Forscher der Berliner Universität. Sie führten deshalb eine entsprechende Literaturstudie durch - mit dem Fokus auf potenzielle toxikologische Risiken der Co2-Speicherung.

Foto: Günter Havlena / pixelio.de
Diese könnten in allen Teilen der CCS-Kette auftreten:

  • beim der Rückgewinnung aus den Rauchgasen, wo entsprechende Waschchemikalien zum Einsatz kommen
  • während des Transports im Falle von Unfällen
  • und während der geologischen Lagerung, wenn ein Leck für den Austritt von CO2 oder Sole sorgt
Toxikologische Gefahren von besonderem Interesse gehen dabei weniger von CO2 selbst als vielmehr von den Abbauprodukten der Waschchemikalien ( z.B. Nitrosamine) dem gleichzeitigen Auswaschen von H2S aus den Abgasen aus.

Zusätzlich könnte eine Kontamination von Trinkwasser aufgrund der Mobilisierung von gefährlichen Spurenelementen, wie Arsen, Nickel und Blei im Falle einer Leckage relevant werden.

Empfehlung der Forscher: Insgesamt sollten für die künftige Sicherheit der CCS weitere Untersuchungen

zur akuten CO2-Toxizität (mit Herleitung von Schwellenwerten für Massenvergiftungen)

zum akuten Notfallmanagement

und zu den möglichen Kontaminanten vorrangig verfolgt werden.

Auch sollten die Wissenslücken im Zusammenhang mit den Verunreinigungen des CO2 mit organischen Verbindungen geschlossen werden.

Hier geht es zur Originalveröffentlichung


 

Mittwoch, 16. November 2016

Gesammelte Science-News

Immer im Uhrzeigersinn

Forscher der University of Queensland haben das erstaunlich simple Geheimnis gelüftet, weshalb Vögel nie im Flug zusammenstoßen: sie manövrieren immer rechtsherum. Eine weitere Beobachtung der Forscher war, dass die Vögel selten auf der gleichen Höhe flogen. Eine mögliche Erklärung ist, dass die Flughöhe durch die Position in der Gruppenhierarchie beeinflusst wird. Die neuen Forschungsergebnisse helfen bereits jetzt schon, einfache Strategien für Autopilot-Systeme und unbemannte Flugobjekte zu entwickeln, um frontale Zusammenstöße zu verhindern.

Drongo der Wellensittich Foto: The University of Queensland
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Gesund auf einen Klick

Einen Wirkstoff erst am Zielort, etwa einem Tumor, aus harmlosen Einzelteilen zusammenzusetzen, würde helfen, die Nebenwirkungen einer Therapie zu beschränken. Britische und malaysische Wissenschaftler stellten jetzt einen neuen, ungiftigen Katalysator aus Kupfernanopartikeln vor, mit dem sich inaktive Bausteine in einem lebenden System verknüpfen lassen. Beispielsweise zu einem Anti-Tumorwirkstoff. Die sogenannte Klick-Chemie stellt solche selektiv und hochspezifisch laufende Reaktionen zur Verfügung. Moleküle werden dabei wie Puzzleteile „zusammengeklickt“.

Nebenwirkungen von Krebstherapien lassen sich beschränken, wenn der Wirkstoff erst am Einsatzort zusammengesetzt wird. (c) Wiley-VCH
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Kurkumin, das Gelbe im Curry, entzündungshemmend wie Kortison

Pharmazeutinnen der Universität des Saarlandes ist der Nachweis gelungen, warum Kurkumin antientzündlich wirkt: Der Stoff, dem Currypulver seine gelbe Farbe verdankt, beeinflusst wie Kortison gezielt ein bestimmtes Protein („Gilz“), das bei Entzündungen im menschlichen Körper eine Schlüsselrolle spielt. In ihrer aktuellen Studie konnten sie belegen, dass dieses Protein, das bei Entzündungsprozessen typischerweise verschwindet, durch Kurkumin gezielt vermehrt gebildet wird. Das Forschungsergebnis bedeutet jedoch nicht, dass einfaches Currypulver Entzündungen heilen kann, denn solche Konzentrationen an Kurkumin kann man durch Verzehr nicht erreichen, zumal es schlecht wasserlöslich ist und deshalb schlecht vom Körper aufgenommen werden kann.

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Unsere Bosse leiden unter Paranoia

Paranoia fördert den beruflichen Aufstieg. Das ist das Ergebnis einer Studie an der Kühne Logistics University (KLU) in Hamburg. Das hohe Misstrauen anderen gegenüber und die damit einhergehende ständige Aufmerksamkeit auf potentiell unvorteilhafte Situationen helfen paranoiden Menschen, in Unternehmen nach oben zu kommen. Merkmale einer paranoiden Persönlichkeit sind unter anderem das Gefühl, von anderen hintergangen und ausgenutzt zu werden. Die Betroffenen vermuten überall um sie herum feindselige Haltungen ihnen gegenüber. Das führe zu einer genauen Beobachtung der sozialen Umgebung und einer häufig wechselnden Einteilung in Freund und Feind. Paranoide Menschen sind bestrebt, Beziehungen so zu managen, dass ihre vermeintlichen Widersacher wenig Angriffspunkte haben. Und das hilft der Karriere.

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Ein fauler Hahn wird fett, ein fettes Kücken dumm

Neuste Erkenntnisse von Forschern der ETH und Universität Zürich deuten darauf hin, dass fettreiches Essen die Reifung eines Teils der Hirnrinde bei Heranwachsenden massiv stören könnte. Dadurch drohen im Erwachsenenalter Defizite bei Lernprozessen, der Persönlichkeit, und der Impulskontrolle.

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Migration mit Nebenwirkung

Eingeschleppte Arten sind weltweit zu einer Bedrohung für die biologische Vielfalt geworden. Gegenmaßnahmen zu treffen, ist schwierig, weil die Wege, auf denen die Pflanzen und Tiere zu uns gelangen, sehr unterschiedlich und meist nicht vollständig erfasst sind. Ein internationales Forscherteam hat zwei der wichtigsten Datenbanken zu invasiven Arten miteinander verknüpft. Dabei fanden sie heraus, dass die schädlichsten invasiven Arten besonders viele Pfade nutzen und häufig sowohl absichtlich als auch unabsichtlich eingeführt werden. Die im Sommer 2016 veröffentlichte „Unionsliste“ ist das zentrale Instrument einer neuen EU-Verordnung. In dieser verpflichten sich alle EU-Mitgliedstaaten zu Maßnahmen, die verhindern sollen, dass die aufgelisteten Arten in die EU eingeführt werden oder sich dort weiter ausbreiten.

Das invasive Grauhörnchen ist eine der Arten auf der Unionsliste, die auch bei uns immer häufiger zu sehen ist. Es gefährdet die hierzulande heimischen roten Eichhörnchen. (Quelle: Wikipedia.de: Von Diliff - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1468736)
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Die Erdspeicher sind voll - CO2 vermehrt in die Atmosphäre

Obwohl die anthropogenen Emissionen in 2015 nur sehr gering angestiegen sind, markiert die Zunahme von 23 Gt Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre pro Jahr einen neuen Wachstumsrekord. Sie übertrifft damit auch den Zuwachs der vorherigen Dekade, der im Durchschnitt bei 16 Gt CO2 pro Jahr lag. Das Jahr 2016 könnte mit 25 Gt CO2 pro Jahr einen weiteren Rekord aufstellen. Die atmosphärische CO2-Konzentration liegt nun um 44 Prozent höher als in vorindustrieller Zeit und ist damit die höchste der letzten 800 000 Jahre.

Blick auf den Amazonas Regenwald in Brasilien, einer riesigen Kohlenstoffsenke, vom ATTO-Klimamessturm Jost V. Lavric
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Freitag, 11. November 2016

Würde die Welt so (fr)essen wie US-Amerikaner, müsste fast dreimal soviel Fläche umgepflügt werden

Die menschliche Aneignung von Land für die Nahrungsmittelproduktion hat das System der Erde grundlegend verändert, mit Auswirkungen auf Wasser, Boden, Luftqualität und das Klima. Veränderungen in den Bevölkerungszahlen, Ernährungsgewohnheiten, neue Technologien und die Produktivität der Ernten haben alle eine wichtige Rolle bei der Ausgestaltung der heutigen Landnutzung gespielt.

In einer Arbeit einer internationalen Forschergruppe wurde jetzt untersucht, wie sich die bisherigen und gegenwärtigen Entwicklungen in der Ernährung auf die globale landwirtschaftliche Landnutzung auswirken. Aus den zahlreichen maßgeblichen Variablen isolierten die Forscher dafür speziell die Auswirkungen von Ernährungsgewohnheiten auf die Größe der landwirtschaftlichen Flächen, einschließlich der potenziellen Konsequenzen der Veränderungen in den Ernährungsvorlieben der Verbraucher.

Foto: Oliver Mohr / pixelio.de
Wenn die gesamte Weltbevölkerung das Konsummuster einer der jeweiligen Nationen anwenden würde, könnte sich die Größe der dann notwendigen landwirtschaftlichen Nutzfläche bis auf das 14-fache der minimal notwendigen Fläche aufblähen.

Innerhalb dieser Bandbreite ist für den landwirtschaftlichen Flächenbedarf ganz offensichtlich die Art der verzehrten Nahrungsmittel wichtiger als die Menge des Pro-Kopf-Verbrauchs, vor allem aufgrund der Auswirkungen tierischer Produkte, insbesondere jener von Wiederkäuern.

Die Erforschung der durchschnittlichen Ernährungsgewohnheiten in den USA und in Indien (die zwar sehr stark in Richtung der beiden Extreme tendieren, aber weder das globale Verbrauchsmaximum noch das Verbrauchsminimum darstellen) bietet dabei einen brauchbaren Rahmen für das Verständnis der Auswirkungen aud die Landnutzung, die sich aus unterschiedlichen Ernährungsgewohnheiten ergibt:

Würde die gesamte Welt das durchschnittliche indische Ernährungsmuster anwenden, könnte man 55% der heute genutzten landwirtschaftlichen Fläche brachlegen, während der globale Verbrauch, auf das hohe Niveau der durchschnittlichen USA-Essgewohnheiten hochgeschraubt, 178% mehr Land erfordern würde.

Foto: Margot Kessler / pixelio.de
Die Vernichtung von Nahrungsmitteln und das Überessen spielen dabei ebenfalls eine wichtige Rolle. Würde man in Indien Nahrungsmittel genauso achtlos wegwerfen und vernichten und sich so regelmäßig überfressen, wie das der Durchschnitts-US-Amerikaner zu tun pflegt, würde sich dort der Nahrungsmittelbedarf über Nacht verdoppeln.

Daher könnten Maßnahmen zur Beeinflussung zukünftigen Ernährungsverhaltens und zur Verringerung von Nahrungsmittelabfällen wesentlich zur globalen Ernährungssicherheit beitragen, sowie einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

 

Fazit in Schlagzeilen:

  • Entwicklung eines neuen Index (HALF) zur Quantifizierung der Auswirkungen der Ernährung auf die landwirtschaftliche Nutzfläche.
  • Verbrauch des bis zum 14-fachen der minimal benötigten Anbaufläche, wenn einzelne nationale Essgewohnheiten auf die ganze Welt ausgedehnt würden.
  • Das halbe aktuelle Anbaugebiet würde reichen, wenn die durchschnittliche indische Ernährungsweise weltweit zur Anwendung käme, aber fast das dreifache Anbaugebiet wäre bei weltweiter USA-Ernährungsweise notwendig.
  • Die Art der Lebensmittel und Rohstoffe ist dabei wichtiger als die Menge.
Hier geht es zur Originalveröffentlichung

 

Donnerstag, 10. November 2016

Je schwerer die Jahresringe desto heftiger die Niederschläge

Jahresringe von Bäumen sind ein viel und erfolgreich genutztes Klimaarchiv, das auf einer Zeitskala von mehreren Jahrhunderten, manchmal sogar mehreren Jahrtausenden, eine Auflösung von Jahresfristen bietet. Isotopenverhältnisse in solchen Jahresringen werden lange schon angewendet, um Klimaparameter wie Temperatur und Niederschlag über die Lebenszeiten der Bäume hinweg zu messen.

In einer neuen deutsch-amerikanischen Studie untersuchten Forscher aus Mainz, Heidelberg und Salt Lake City stabile Wasserstoffisotopenverhältnisse (das sind Verhältnisse stabiler, also nicht-radioaktiver Isotope, wie H und D, aber nicht T) von Methoxylgruppen des Lignins verschiedener Baumarten, die entlang einer etwa 3500 km langen Linie in nord-südlicher Richtung durch ganz Europa gesammelt wurden - mit mittleren Jahrestemperaturen (MAT) im Bereich von - 4 bis + 17 ° C.

Die Wissenschaftler fanden dabei eine starke lineare Beziehung zwischen diesen MATs und den δ2H-Werten des Lignins.

Die Forscher verwendeten diese deutliche Korrelation, um MATs aus zufällig gesammelten Holzproben vorherzusagen und eine allgemeine Übereinstimmung zwischen vorhergesagten und beobachteten MATs für die mittleren geographischen Breiten weltweit zu finden. Diese Ergebnisse werden seitdem auf die Brauchbarkeit auf dem Gebiet des Paläoklimas diskutiert.

Alles deutet dabei darauf hin, dass δ2H-Werte von Lignin-Methoxylgruppen möglicherweise das Potenzial haben, MATs zu rekonstruieren, wenn sie auf die Jahresring-Chronologien von Bäumen der mittleren Breitengraden des späten Holozäns angewendet werden.

Die wissenschaftliche Grundlage hinter diesen Isotopenverhältnissen:

Foto: Rainer Sturm / pixelio.de
Isotopeneffekte sind generell sehr klein, da die verschiedenen Isotope eines Elements sehr ähnliche Massen haben. Ganz anders bei Wasserstoff: Hier ist das Deuterium (mit einem zusätzlichen Neutron im Atomkern) doppelt so schwer ist wie ein "normales" Protium. Deshalb haben chemische Bindungen mit Deuteronen eine erheblich tiefer liegende Nullpunktsschwingungsenergie. Damit einher geht eine deutlich erhöhte Aktivierungsenergie für Reaktionen, die diese Bindung brechen müssen, mit der Folge, dass solche Reaktionen bei gleicher Temperatur deutlich langsamer verlaufen als bei Bindungen mit H-Atomen: Beispielsweise bricht eine C—H-Bindung bei Raumtemperatur rund siebenmal so schnell wie eine C—D-Bindung.


Das ist der Ansatz für das Jahresringarchiv:

Da man davon ausgeht, dass in mittleren Breiten der Niederschlag linear abhängig von der Temperatur ist, diese Umgebungstemperatur wiederum darüber entscheidet, ob bei Reaktionen mit diesem Niederschlagswasser schweres Wasser (D2O) temperaturabhängig im Verhältnis zu normalem Wasser (H2O) mehr oder weniger schlecht reagiert, muss sich dies auch in jeder Reaktion niederschlagen, die in einem Baum oder einer anderen Pflanze dieses Wasser spaltet, um dieses Spaltprodukt in eine organische Verbindung zu übertragen. Wie etwa bei der Synthese der Methoxylgruppen im Lignin.

In jedem Baumring ist deshalb in den dort gespeicherten Lignin-Strukturen die Isotopenverteilung proportional der mittleren Niederschlagsmenge in diesem Jahr.

Die Ergebnisse der Studie noch einmal in Schlagzeilen:


  • In mittleren Breiten spiegelt die δ2H-Signatur der Baumringe den jährlichen Niederschlag.
  • Moderne mittlere Jahrestemperaturen konnten mit der δ2H-Signatur genau vorhergesagt werden.
  • Die Ergebnisse werden im Kontext ihrer Relevanz für das Paläoklima diskutiert.
Hier geht es zur Originalveröffentlichung

 

Montag, 7. November 2016

Fernbus-Unternehmen: Fernweh tut weh

Schon zwei Jahre vor der Deregulierung des Fernbusgeschäftes Anfang 2013 in Deutschland - zu Ungunsten der Deutschen Bahn AG - wagten Forscher an den Universitäten in Speyer und Frankfurt eine Vorabprüfung des wirtschaftlichen Potentials dieser Gesetzesmaßnahme.

Speziell Reisende mit einem eher geringen Einkommen sollten danach von Fernbusverbindungen profitieren. Nicht nur von den geringeren Preisen im Verhältnis zu Bahntickets, sondern auch von einem vermehrten überlappendem Angebot verschiedener konkurrierender Betreiber.

Speziell in Deutschland mit der im Verhältnis zu UK, USA oder Schweden viel größeren Anzahl von Hauptverbindungsstrecken - geschuldet der dezentralen (Bundesländer-)Struktur des Staates und seiner höheren Einwohnerdichte, profitiere der deutsche Fernbusnutzer ganz besonders.

Foto: Fionn Große / pixelio.de
Die Forscher orakelten sogar, dass die Bundesbahn, aufgrund der zunehmenden Konkurrenz auf der Straße, ihre Fahrkartenpreise für Bahnfahrten auch reduzieren würde. Wobei auch der Wettbewerb unter den Fernbus-Unternehmen den Preis zusätzlich purtzeln lassen würde.

In einem neuen Paper, das jetzt in "Research in Transportation Economics" erschienen ist, fügen die Forscher ihren Prognosen die Zahlen und Fakten der ersten beiden Jahre nach der Deregulierung bei.

Was aktuell auf diesem Markt geschehen ist, liest sich an anderer Stelle so:

Dein Bus, mein Bus - unser Bus, so könnte die altbekannte Werbung für ein Achselspray umgeschrieben werden.

DeinBus.de, MeinFernbus, Flixbus, Berlin Linien Bus (BLB), das schon vor der Marktliberalisierung mit einer Ausnahmeregelung in begrenztem Maße Fernbusverkehr anbot, sowie city2city, eine Tochter des britischen Bahnbetreibers National Express, tummelten sich schnell auf dem neuen Markt für Fernbusreisende. Auch die Post warf gemeinsam mit dem ADAC ihren Hut in den Ring.

Zeitweise drängten sich mehr als 40 Anbieter auf den neuen Busbahnhöfen im Lande.

Dass ruinöser Preiswettbewerb die unweigerliche Folge sein musste, war schnell klar. 2013 zahlte man für die Fahrt von Berlin nach Köln noch um die 22 Euro, ein Jahr später gab es für diese Strecke schon Tickets ab 15 Euro. Wer die Preise verglich, kam für unter 7 Euro von Berlin nach Hamburg oder für 3,50 Euro von Stuttgart nach München.

Dieses Preisdumping konnte nicht folgenlos bleiben. Schon bald verschwand city2city wieder, Deinbus.de stand vor der Insolvenz, der ADAC stieg aus dem gemeinsamen Projekt mit der Post aus. Schließlich fusionierte Flixbus 2015 mit MeinFernbus und übernahm weitere Konkurrenten.

Das letzte Hussarenstück des "verflixten Buslers" war die kürzliche Übernahme von Postbus. Möglicherweise ist der Verdrängungswettbewerb damit an sein Ende gekommen.

Aber schon stellt der Bahnboss seine zunehmende Lustlosigkeit in Sachen IC Bus, der Eigenmarke seines Unternehmens, zur Schau. Ob allerdings das Kartellamt diese letzte Fusion mit Flixbus, der jetzt schon 80 Prozent des Marktes gehören, erlauben würde ... ?

Man darf gespannt sein.

Hier geht es zur Originalveröffentlichung.

 

Freitag, 4. November 2016

Vom Klima, dicken Bäuchen, Sepsiserregern und Geisterfahrern

Vegetarier haben dicke Bäuche - oder es sind Dinosaurier

Bei den Säugetieren haben Pflanzenfresser im Durchschnitt eine zweimal so große Körperhöhle wie Fleischfresser ähnlicher Körpergröße, das heißt, sie haben größere Därme. Auf Dinosaurier trifft das aber offensichtlich nicht zu. Es ließ sich nicht der geringste Unterschied zwischen Fleisch- und Pflanzenfressern feststellen.

Die Resultate können nun einerseits darauf hindeuten, dass es schwierig ist, Dinosaurierskelette zuverlässig zu rekonstruieren. Der Befund kann andererseits auch aufzeigen, dass es einen grundlegenden Unterschied bei den morphologischen Prinzipien zwischen Säugetieren und anderen Tetrapoden gibt.

In der Studie wurden 3-D-Simulationen von 120 Tierskeletten von der Urzeit bis heute untersucht. Abb.: UZH
Die gesamte Pressemitteilung


 

Risiko Arzneimittelkopfschmerz

Mindestens 20 Tage pro Monat sollten Kopfschmerzpatienten ohne Schmerz- und Migränemittel auskommen. Durch die regelmäßige Einnahme der Mittel wird die Schmerzempfindlichkeit der Betroffenen erhöht. Ein Teufelskreis: Die Medikamente werden in zunehmend kürzeren Abständen konsumiert, verstärken aber das Problem, gegen das sie eigentlich helfen sollen. Bei Arzneimittelkopfschmerz hilft nur das vollständige Absetzen sämtlicher Schmerzmittel, was wegen der Entzugserscheinungen nur unter ärztlicher Aufsicht oder in einer spezialisierten Schmerzklinik erfolgen muss.

Zur Meldung:

 

Demographie beschert weniger Steuereinnahmen

Die Alterung der Gesellschaft und der Bevölkerungsrückgang beeinträchtigen mittel- und langfristig die Steuereinnahmen in Deutschland. Bis zum Jahr 2060 wird die Bevölkerung in Deutschland nicht nur durchschnittlich älter, sondern auch deutlich kleiner sein als heute. Das Steueraufkommen wird in den nächsten Jahrzehnten entsprechend geringer. Dies zeigt eine Analyse von Fraunhofer FIT und Prognos im Auftrag des Bundesfinanzministeriums.

Bis 2060 fällt das Einkommensteueraufkommen aufgrund demografischer Veränderungen 12 bis 21 Prozent geringer aus. Graphik: Fraunhofer FIT
Das Einkommensteueraufkommen wird dann im optimistischsten Szenario rund 12 Prozent geringer sein als im Referenzszenario ohne demografische Veränderungen, im pessimistischsten Szenario sogar rund 21 Prozent geringer. Ähnlich sieht es beim Umsatzsteueraufkommen aus, das aufgrund des demografischen Wandels bis zum Jahr 2060 zwischen 13 und 25 Prozent geringer ausfallen wird.

Link zur Studie:

 

Klimawandel in Deutschland: Umwälzende Veränderungen

Selbst eine globale Erwärmung von nur 1,5 - 2°C wird auch in Deutschland zu Veränderungen in allen Naturräumen, Wirtschaftssektoren und sämtlichen Lebensbereichen führen. Zunehmende Unwetteraktivitäten (Gewitter, Starkregen, Hagel und in Teilen Deutschlands auch Stürme) stellen Stadt und Land vor große Herausforderungen. Darüber hinaus wird sich durch den Klimawandel der Wasserhaushalt weiter verändern. Zum einen drohen verstärkte Niederschläge mit Hochwasser, zum anderen Dürreperioden, die die Grundwasserneubildung beeinträchtigen und die Wasserverkehrswege gefährden. Auch die Qualität der Acker- und Waldböden nimmt ab, etwa aufgrund von Vernässung oder Austrocknung. Eine verstärkte Bodenerosion wird die Menge an verfügbaren, produktiven Böden weiter reduzieren.

Die gesamte Pressemitteilung


 

Sepsiserreger in nur 24 Stunden enttarnt

Mikrobielle Krankheitserreger lassen sich durch Hochdurchsatzsequenzierung ihres Erbguts und spezielle bioinformatische Auswertungsalgorithmen innerhalb von nur 24 Stunden diagnostizieren. Dabei identifizieren diese Algorithmen die Erreger direkt über eine Sequenzanalyse ihres Erbguts (DNA) – ohne diese zuvor im Labor kultivieren zu müssen. Ein weiterer Vorteil: Enthalten die Proben nicht nur DNA von Bakterien, sondern auch von Viren oder Pilzen, werden diese ebenso sequenziert, analysiert und identifiziert.

Mit modernen DNA-Sequenzierungstechnologien diagnostiziert das Fraunhofer IGB Sepsiserreger zuverlässig und innerhalb kürzester Zeit. Fraunhofer IGB
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Wink mit dem Zaunpfahl für Geisterfahrer

Drei Studenten haben ein solarbetriebenes Sensorsystem entwickelt, das Falschfahrer früh erkennt und Warnungen sowohl an Fahrer als auch Polizei oder Verkehrsfunk veranlassen kann. Der Prototyp, den die angehenden Ingenieure an der Universität des Saarlandes gebaut haben, wird im oberen Teil eines Leitpfostens installiert und erfasst im Zusammenspiel verschiedener Sensoren vorbeifahrende Autos. Dabei kann das System, das die Studenten bezeichnenderweise „Ghostbuster“ - „Geisterjäger“ - getauft haben, ein Auto in falscher Richtung von anderen Störungen, etwa durch Tiere, unterscheiden und mit Warn- und Informationssystemen verbunden werden.

Die gesamte Pressemitteilung

Der Prototyp, den die angehenden Ingenieure Benjamin Kirsch (l.), Daniel Gillo (Mitte) und Julian Neu (r.) an der Saar-Universität gebaut haben, wird im oberen Teil eines Leitpfostens installiert. Foto: Oliver Dietze
 

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